[02.04.2026 – Pressemitteilung „autismus Deutschland e.V.“] “Not Invisible“ – Nicht unsichtbar. So lautet auch 2026 das Motto der Kampagne für den Weltautismustag. Sichtbarkeit für die Autist:innen, die Familien, die Angehörigen mit all Ihren Facetten, Besonderheiten, Stärken und Herausforderungen soll an diesem Tag besondere Aufwerksamkeit gewidmet werden, relevant ist es an jedem Tag im Jahr. Dazu finden Sie hier eine Pressemitteilung von „autismus Deutschland e.V.“, diverse Materialien zur politischen Arbeit von „autism Europe“ sowie eine Übersicht von Veranstaltungen rund um den Weltautismustag in Deutschland.
„Der Weltautismustag hat zum Ziel, weltweit auf die Bedürfnisse und Lebenslangen von
Autist:innen aufmerksam zu machen. Er wurde am 2. April 2007 von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen gegründet und findet in diesem Jahr
europaweit erneut unter dem Motto „Not Invisible“, „Nicht unsichtbar“ statt.
Was bedeutet „nicht unsichtbar“ für den Personenkreis autistischer Menschen?
Es zeigt auf, wie viele Autist:innen sich weiterhin „maskieren“ oder „verstecken“
müssen, um in der Gesellschaft nicht aufzufallen. Nur so ist ihnen möglich, an dem
Schulsystem, dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft teilzuhaben. Wie schön wäre
es, diese Maske fallen lassen zu können und so sein zu dürfen, wie man sich fühlt?!?
„Nicht unsichtbar“ gilt auch für Autist:innen mit höherem Unterstützungsbedarf, die in
den Medien und der Gesellschaft übersehen werden, wenn nur von potenziellen
Spezialinteressen und Hochbegabung berichtet wird.
Nicht unsichtbar gilt auch für die Frage: Welche Anteile von Autismus und Identität
sind im privaten und in der Öffentlichkeit sichtbar? Nicht selten führt der Fokus auf
Teilaspekte zu Verzerrungen in der Wahrnehmung.
Autismus wird oft als eine „nicht sichtbare Behinderung“ dargestellt. Diese
„Nichtsichtbarkeit“ führt immer wieder zu Ausgrenzungen in der Gesellschaft: Eltern,
die mit Blicken gestraft werden, weil ihr Kind soziale Regeln übergeht. Kinder und
Jugendliche, denen ein „Nicht-Wollen“, unterstellt und übersehen wird, wenn es sich
um ein „Nicht-Können“ handelt.
Erwachsene Menschen, die sich um jeden Preis anpassen müssen, und dabei weit über
die eigene Belastungsgrenze hinaus gehen.
Es liegt an unserer Gesellschaft, die Bedürfnisse von Autist:innen sichtbar zu machen
und ihnen nachzugehen! Dabei geht es um Teilhabe und Barrierefreiheit, um die zu
realisieren es ein empathisches Gegenüber benötigt. Es braucht kreative Wege und vor
allem Menschen, die sich für die Bedürfnisse autistischer Menschen stark machen und
sie sichtbar werden lassen! Erst damit lässt sich ein Austausch auf Augenhöhe und
voneinander Lernen realisieren.
Autismus zählt zu den tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (ICD10 – F84.X), bzw.
den Neuronale Entwicklungsstörungen (6A02.X) und äußert sich in (individuellen)
Veränderungen in der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, die sich auf die
Entwicklung der sozialen Interaktion, der Kommunikation und das Verhaltensrepertoires auswirken.
Bei einer Prävalenz (Häufigkeit) von ca. einem Prozent, ist von etwa 7 Millionen
Menschen in Europa und etwa 800.000 Menschen in Deutschland auszugehen. Wir
sprechen daher von 800.000 Menschen, denen wir in Deutschland eine Stimme
geben sollten, damit sie gehört und gesehen werden. Mitgedacht werden müssen an
dieser Stelle auch das persönliche und begleitende Umfeld, also Eltern und Familie,
Freundeskreis und professionelle Begleitpersonen.
Von diesen 800.000 gibt es einige Menschen, die für sich selbst sprechen können.
Andere können sich nicht verbal mitteilen; doch sie kommunizieren mit uns – in
individueller Weise, die es zu verstehen gilt. Sie benötigen enge Bezugspersonen, Lehrer:innen, Therapeut:innen, Arbeitgeber:innen, Freunde und jeden einzelnen in der Gesellschaft, damit wir ihnen eine Stimme geben und sie gehört/gesehen werden können!
Der Weltautismustag 2026 lebt unter dem Motto „Not invisible“ und stellt damit den
Appell, dass die Bedürfnisse von Autistinnen und Autisten nicht nur an einem Tag im
Fokus stehen sollten, sondern an jedem einzelnen Tag im Jahr verfolgt werden.
Dafür setzt sich der Bundesverband autismus Deutschland e.V. mit seinen 55
Regionalverbänden und über 11.000 Mitgliedern auf vielfältigen Wegen ein.
Nur durch Zusammenarbeit wird es gelingen, Barrieren zu überwinden und eine
Gesellschaft zu fördern, an der jeder partizipieren, sich einbringen kann.
Vielfältige Informationen zu Autismus aus verschiedenen Perspektiven finden Sie auf
unserer Homepage (www.autismus.de), über die Vereine und Organisationen in den
Regionen oder z.B. über Aspies e.V. – Menschen im Autismus-Spektrum
(www.aspies.de)„

