Autismus Vogtland e.V.

Vereinigung zur Förderung autistischer Menschen
Mitglied im Bundesverband Autismus Deutschland e.V.


Gibt es Therapieansätze für Menschen mit Autismus?

Nach dem heutigen Wissensstand ist Autismus nicht heilbar. Es gibt jedoch Therapieansätze, die es Menschen mit Autismus ermöglichen, besser mit ihrer Umwelt zurechtzukommen. Man kann einzelne Störungen mildern oder gar abbauen und so dem Betroffenen und seinen Angehörigen mehr Lebensqualität verschaffen. Je nach Ausprägung und Intensität der Symptome müssen die therapeutischen Ansätze unterschiedlich sein. Wichtig ist hierbei, die Person ganzheitlich zu sehen und zu fördern. Da die Störungen so komplex sind, müssen auch mehrere Therapieansätze zur Anwendung kommen. Wunder gibt es nicht. Eltern und Therapeuten brauchen einen langen Atem. Das therapeutisch-pädagogische Konzept kann dem Menschen mit Autismus nicht einfach übergestülpt werden, sondern es muss individuell passen. Es zielt auf den Aufbau positiver menschlicher Beziehungen, Kommunikation (besonders wichtig für nicht sprechende Menschen mit Autismus) und den Abbau von Ängsten und Irritationen.

Die Therapiekonzepte sind nicht in einigen Wochen oder Monaten umzusetzen, sondern müssen auf Jahre angelegt sein. Eine Tatsache, die man Behörden und Kassen manchmal nur schwer vermitteln kann. Es ist wichtig, dass Eltern, Betreuer, Pädagogen, Therapeuten usw. zusammenarbeiten und sich abstimmen. Schon vorab müssen für alle Beteiligten folgende Fragen beantwortet sein:

  • Was ist unser Ziel?
  • Was wollen wir erreichen?
  • Wie wollen wir es erreichen?

Die Eltern sind unbedingt in das Konzept einzubeziehen, wenn die Therapie alltagstauglich sein und eine Langzeitwirkung erzielt werden soll.

Bewährte Therapiemöglichkeiten

Wir möchten hier einen kleinen, nicht vollständigen Überblick über die derzeit für Menschen mit Autismus am häufigsten und erfolgreichsten angebotenen Therapieansätze geben.

  • Frühförderung - Nach diagnostischer Bestätigung autistischer Auffälligkeiten in der Entwicklung des Kleinkindes sollte frühzeitig mit heilpädagogischen Maßnahmen begonnen werden. Nur fachkompetenten Personen ist es möglich, ohne eine Überforderung des Kindes, ihm im Abbau von Defiziten seiner Entwicklung zu helfen.
  • Sensorische Integration - Für viele Menschen mit Wahrnehmungsstörungen ist dies eine Möglichkeit, sich und ihren Körper besser zu spüren. Sie nehmen die Lage ihrer Extremitäten zueinander erstmals wahr. Sie lernen, ihre Sinne zu ordnen und in das richtige Verhältnis zueinander zu bringen.
  • Methode nach Félicie Affolter (Angaben zu ihrer Person und dem nach ihr benannten Konzept) - Dient zur Verbesserung der Wahrnehmung und damit der Aufmerksamkeit. Dies ist wichtig zur Sprachanbahnung.
  • Unterstützte Kommunikation - ist ein Sammelbegriff für alle Kommunikationsformen, die Lautsprache ergänzen oder ersetzen.
    Ein Beispiel ist PECS (Picture Exchange Communication System - Bildaustauschkommunikation). Menschen mit Autismus lernen, sich mit Hilfe von Bildkarten, auf denen Fotos, Zeichnungen oder Symbole abgebildet sind, zu verständigen.
    Eine andere Art der unterstützten Kommunikation ist FC (Facilitated Communication - Gestützte Kommunikation). Gestütztes Zeigen auf Gegenstände, Fotos, Bilder, Symbole, Buchstaben wird hierbei angewendet.
  • Verhaltenstherapie/Verhaltensmodifikation - ist das Einüben/Trainieren von erwünschten Verhaltensweisen und Handlungsabläufen und das Löschen von unerwünschten Verhaltensweisen.
  • TEACCH (Erklärung der Abkürzung bei Wikipedia) - Bietet keinen Therapieansatz im eigentlichen Sinne, sondern ist ein Konzept zur umfassenden Strukturierung des Alltags (zeitlich und räumlich). Hier soll eine Vermeidung von Reizüberflutung und Ähnlichem zur Verbesserung der Überschaubarkeit von Räumen und Handlungsabläufen für Menschen mit Autismus erzielt werden.
  • Diät - Über die Ursachen von Autismus weiß man noch wenig. Man vermutet genetische Ursachen, schließt aber biologische (z.B. im Stoffwechsel) nicht ganz aus, zumal viele autistische Kinder hyperaktiv sind. Die Wirkung von Diäten bei Autismus ist in Deutschland nicht wissenschaftlich erwiesen, wird aber von Eltern beziehungsweise Menschen mit Autismus oft angewandt.
    Für eine kasein- und/oder glutenfreie Diät läßt man Milch und Milchprodukte (enthalten Kasein = Milcheiweiß) und Getreideprodukte (enthalten Gluten = Klebereiweiß) bei der Ernährung weg. Viele Menschen mit Autismus werden dadurch ruhiger und aufmerksamer.
  • Medikamente - Ein wirksames Medikament gegen Autismus gibt es nicht. Dazu ist das Spektrum der Störungen zu vielschichtig und zu wenig über die Ursachen bekannt. Es gibt Psychopharmaka, die einzelne Störungen (wie Hyperaktivität oder Wahrnehmungsstörungen) lindern können. Diese Medikamente haben aber auch Nebenwirkungen, und oft können die Betroffenen nicht vermitteln, wie sie bei ihnen wirken, so dass in jedem Einzelfall Nutzen und Nebenwirkung genau abzuwägen sind.
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Diese Seite wurde zuletzt am 15.06.2010 aktualisiert.